Blickt man sich heute auf den bayerischen Volksfesten ein wenig um, sieht man, dass es fast keine Frau mehr gibt, die kein Dirndl trägt. Vor allem auf dem Münchner Oktoberfest, dem größten Volksfest der Welt, in Bayern hauptsächlich als die Wies’n bekannt, oder auf anderen großen Volksfesten, tragen viele Damen diese weibliche Tracht. Aber nicht nur die Einheimischen legen Wert auf das Einhalten gewisser Traditionen, mittlerweile sieht man auch immer mehr Auswärtige, die in Lederhose und Co auf den Volksfesten herum stolzieren. Meist fällt man schon richtig auf, wenn man den Festplatz in einer einfachen Jeans und im Pullover überquert. Viele Menschen kennen dabei aber die Geschichte dieses Kleides nicht. Zu Zeiten, als auf den Bauernhöfen noch Bauer und Bäuerin das Sagen über viele Knechte und Mägde hatten und an Maria Lichtmess, also am 2. Februar die Dienstboten ihren Lohn erhielten beziehungsweise das Anstellungsjahr für sie vorbei war und sie sich eine neue Bleibe suchen mussten, war diese traditionelle Bekleidung das Dienstbotengewand der Mägde.
Die Bezeichnung kommt vom mundartlichen Begriff Dirn, das soviel bedeutet wie Mädchen. Allerdings beinhaltete dieser Begriff auch die Bedeutung Magd. Ab den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde das Dirndl aber dann immer mehr von den sogenannten Sommerfrischlern getragen, also Menschen, die auf den Höfen oder auf der Alm Urlaub machten. Heute würde man sie wohl mit dem Begriff Touristen bezeichnen. Sie entdeckten das Trachten Kleid für sich und machten es sozusagen gesellschaftsfähig. Heute hat fast jede bayerische Frau so ein Gewand im Schrank hängen, viele sogar mehrere. Es gibt sie in mehreren verschiedenen Stoffen, angefangen bei Baumwolle, über Leinen bis hin zu Seide, je nach Stoff natürlich dann auch in verschiedenen Preisklassen. Vom Schnitt her unterscheiden sich die Kleider meist nicht recht großartig, das traditionelle Dirndl ist meist einteilig und hat an der Vorderseite mittig einen Verschluss. Entweder einen Reißverschluss oder eine Art Korsett zum Schnüren. Ein weiteres Kennzeichen dieses Trachten Kleides ist der Ausschnitt. Meist ist er rechteckig oder rund gehalten und so geformt, dass die Oberweite der Trägerin auch richtig gut zur Geltung kommt. Der dazugehörige Rock ist meist recht weit oben an der Taille angesetzt. Durch diesen tollen Schnitt kommt manche Frau auch gleich ein wenig schlanker und taillierter heraus.
Ein weiteres Merkmal des typischen Dirndls ist natürlich die Schürze. Manch einer mag schon davon gehört haben, dass die Bindung der Schürze richtig viel Aussagekraft hat. An ihr kann man nämlich als Mann ablesen, ob die Trägerin schon einen Mann zu Hause hat oder nicht. Befindet sich die Schleife nämlich bei der Frau auf der rechten Seite, dann ist sie schon verheiratet oder zumindest verlobt. Ist die Schleife links, kann der Mann sich sicher sein, dass die Dame noch zu haben ist. Allerdings sollte man sich vorher einmal vergewissern, ob auch die Trägerin des Kleides die alten Regeln zur Bindung der Schürze kennt. Ist die Schleife vorne in der Mitte gebunden, hat man es laut den neuesten Varianten mit einer Jungfrau zu tun. Eine Witwe hat ihre Schleife hinten in der Mitte zu binden. Als Mann kann man also aus dem Trachtenkleid der Frau schon eine Menge mehr als Figur und Körperbau herauslesen.
Früher besagte eine alte bayerische Regel, dass ein Dirndl Rocksaum nicht weiter als eine Maßkrug-Höhe über dem Boden enden durfte. Dies ist heute natürlich nicht mehr gültig. Schaut man sich zum Beispiel bei trachtenshop.de ein wenig um, findet man dort sehr wohl Dirndl, die weit über dem Knie enden, so genannte Mini-Dirndl. Mittlerweile gibt es aber auch Midi-Dirndl, für Frauen, die sich nicht zwischen kurz und lang entscheiden können. Befragt man übrigens traditionelle Schneiderinnen, wissen die auch ganz genau Bescheid über all diese Regeln und können einem auch sagen, welcher Stoff zu welchem Anlass zum Schneidern eines Dirndls gebraucht wurde.
